Twitter ist eine komische Welt. Man trifft all diese fantastischen Menschen mit denen man sich sofort super versteht und die dasselbe zu denken scheinen wie man selbst. Unglaublich viel Zeit wird mit zusammen verbracht, manchmal ganze Nächte und man kann sich nicht vorstellen, dass das irgendwann aufhört. Dann trifft man noch mehr Menschen, gerät in neue Gespräche, neue Kreise tun sich auf. Und plötzlich wird etwas anders. Man hört von den Freunden der ersten Stunde nicht mehr so viel, die gemeinsamen Nächte werden weniger und plötzlich sind sie weg. Zuerst fällt man aus den Listen, dann das unvermeidliche „unfollow“. Das ist ein Moment in dem man innehält und sich überlegt was passiert ist. Man schaut auf deren Kanälen nach. Prüft die eigenen Tweets. Es macht irgendwie keinen Sinn. Wie kann das so schnell passieren – von Fremden zu Freunden und zurück zu Fremden?

Twitter ist manchmal ein wenig wie Leben im Zeitraffer. Das Internet macht es möglich. Man lebt unglaublich schnell und intensiv, sagt Dinge die man sich im echten Leben sie sagen traut, trifft Menschen die man sonst nie kennengelernt hätte. Aber das geht jedem so, alle in Twitter leben schnell, nicht nur ich oder du. Man trifft ehe man sich versieht schon wieder jemanden der das Potential hätte der beste Freund oder die beste Freundin zu werden. Und genauso wie im echten Leben können Freundschaften auf wieder auseinanderfallen wie Sandburgen wenn die ersten Wellen sie umspielen. Nur schneller. Viel schneller.

Natürlich muss das nicht jeder Twitterbekanntschaft so gehen, manche sind vielleicht wirklich für die Ewigkeit. Aber mal Hand aufs Herz, wer hat nicht schon Leute in Twitter verloren die ihm oder ihr unglaublich wichtig waren?

Mich macht das immer nachdenklich und auch traurig, vor allem wenn es Leute sind deren Tweets man immer noch gerne liest und von denen man möchte, dass sie auch die eigenen Tweets noch lesen … was sie ja nach dem Entfolgen nicht mehr tun. Ein kleines Stück von mir selbst treibt dann auch immer weg denn die wunderbaren Momente waren echt, keine Illusion, nicht eingebildet. Was auch immer manche Sozialpsychologen sagen, man kann wirkliche Freundschaftsbande knüpfen in diesen Portalen.

Vor kurzem ist mir wieder jemand entfolgt der mir mal sehr wichtig war, ein Follower der ersten Stunde sozusagen. Hätte man mir vor zwei Monaten gesagt, dass diese Person mal nicht mehr Bestandteil meines Lebens sein würde hätte ich nur gelacht. Heute weiß ich es besser.

Aber genug des Jammerns. Was kann man tun? Die einfachste Lösung wäre auch zu entfolgen, ein kurzer, scharfer Schnitt und weg mit der Vergangenheit. Halte ich aber für keine gute Lösung. Sicher, im ersten Moment ist der Druck auf den entsprechenden Knopf verlockend, „Auge um Auge“ sozusagen. Aber das ist doch wirklich etwas primitiv. Auch wenn das jetzt komisch klingt gebe ich offen zu, dass ich noch nie jemandem entfolgt bin mit dem ich schon ein Gespräch in Twitter geführt habe, auch nicht wenn diese Person mir irgendwann entfolgt sein sollte. Natürlich lese ich die Tweets nicht mehr so aufmerksam aber es hatte mal einen Grund, dass ich dem Kanal beigetreten bin und bisher gab es nie einen schwerwiegenderen Grund der die Rückgängigmachung dieses Schrittes erfordert hätte. Im Gegenteil, ich lese gerne was die Leute schreiben, auch jene die meine Tweets nicht mehr so gut finden wie früher vielleicht.

Deshalb möchte ich an diesem Freitag ein Glas für all jene verlorenen Freunde erheben mit denen ich in Twitter so manche schöne Stunde verbracht habe. In meiner TL ist immer Platz für euch und in meinem Herzen sowieso. Vielleicht sieht man sich ja eines schönen Follower-Fridays wieder.

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